VIKTUALIENMARKT UNTER "DENKMALSCHUTZ"

MÜNCHEN - Der "Bauch von München" ist wegen seiner Jahrhundert Jahre alten Einmaligkeit unter "Denkmalschutz" gestellt worden. Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle hat dem Viktualienmarkt, der seit Jahr 1807 besteht, das Prädikat "Immaterielles Kulturerbe" bei einem Festakt im "Kaisersaal" der Münchner Residenz verliehen. Der Mann für Feingeist in Horst Seehofers Kabinett sprach bei der Angelegenheit so mundwasserschön und frei über Bayern, Lebensart und Heimat, dass jeder, der nicht im Freistaat lebt, eifersüchtig werden musste. Am gleichen Tag übergab übrigens Seehofer die "Bayerischen Verdienstorden" für dieses Jahr.

Ausgelöst hat die Einführung des "Bayerischen Landesverzeichnisses des immartiellen Kulturerbes" ein Brief der rührigen Marktsprecherin Elke C. Fett an die UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova in Paris. Sie reagierte positiv, fand aber heraus, dass für diesen Antrag in Deutschland die offiziell behördlichen Voraussetzungen erst noch geschaffen werden müssten. Das war vor zweieinhalb Jahren. Während sich das rote Münchner Rathaus mit Kulturbremse Christian Ude und vor allem Stadtrat Alexander Reissel ("Des brauch ma net") dagegen setzte, nahm es Minister Spaenle in die Hand und ebnete die Startbahn. Er hatte das Zeichen der Zeit erkannt, wie in vielen Fällen Tradition weggefegt wurde und wird, und zeichnete neben dem Viktualienmarkt zwölf Einmaligkeiten des weißblauen Territoriums aus, darunter die althergebrachte Technik des Mundblasverfahrens, die "Landshuter Hochzeit 1475", und die Passionsspiele Oberammergau". "Volkstheater"-Chef und Passionsspielleiter Christian Stückl nahm die Auszeichnung mit einer flammenden Rede entgegen.

"Ich hätte mich nicht mehr über den Markt getraut, wenn Sie das nicht gekriegt hätten", scherzte auf der Bühne Minister Spaenle bei der Urkundenübergabe an Markt-First-Lady Fett, die mit ihren tragenden Stützen wie die Fellini-Geschöpfe Elisabeth und Manuela Telschik (Geheimtip Wurststandl) und Hausanwalt Erika von Heimburg ins Rampenlicht trat.





Immaterielles UNESCO-Kulturerbe: Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle (l.) und Bayerns Premier Horst Seehofer. Spaenle bekam den "Bayerischen Verdienstorden 2012.
Viktualienmarkt - hier als Plan - ist "Immaterielles Kulturerbe"
Das Herz des Markts: Elke C. Fett