POLIT-BEBEN IN MÜNCHEN
München - Die Digital-Generation in Deutschlands schönster (Noch-)Weltstadt München steht vor einem politischen Beben wie noch nie: Pest oder Corona, würde man frech sagen.. Die weißblaue Hauptstadt muss die fatale Aufgabe einer Mission: Impossible meistern. Die großformatigen OB-Wahl-Plakate von Dieter Reiter erinnern bereits an Tom Cruise. Passt kann man da sagen. Für den Rest leider nicht.
Ausgerechnet zum Finale der Münchner Kommunalwahl 2026 hat sich Reiter ein bodenloses Eigentor geschossen. Der rote Stadt-Imperator, der kurz vorher seinen eigentlichen Kandidaten für die Münchner Spitze aus Ingolstadt gelockt hatte und mit einer Warteschleife als Wiesn-Chef vertröstete, köpfte ihn überraschend, weil er, der Reiter, doch nochmal ein drittes Mal antreten wollte. Mit den Gnaden von Bayerns Premier Spartakus Söder, der das „dritte Mal“ des OB’s ausnahmsweise genehmigte. Auch bei Dieters Alter musste der CSU-Ministerpräsident ein Auge zudrücken, weil ein Münchner OB nicht älter als 67 Jahre alt sein darf.
Die grosse Ausnahme-Spur wurde gelegt und der Münchner Polit-Nachdenker kam zu dem Entschluss, der Söder wünscht sich jetzt im Münchner Rathaus Rot-Schwarz. Das sind die Vitamine, die wirken könnten. Die Grünen, Farbe der Unreife, haben die C-Politiker lange genug geplagt und bei einem satten Farbwechsel kann Dieter wieder sagen: passt.
Aber jetzt rauschte was ans Licht, was gar nicht passt. Ein Münchner OB mit diskretem Nebenjob. Nicht bei den „60ern“, mit denen Reiter immer flirtete, sondern bei den Roten, beim FC Bayern. Früher ist man nach so einem Aufdecken elegant zurückgetreten. Das hätte gepasst. Der OB-Tom-Cruise mied aber erst die Wahrheit und hofft mit „Entschuldigung“, „Entschuldigung“ auf verzeihende Behandlung mit Glace-Handschuhen.
Das Beben belastete die Briefwahl nicht, weil sie schon unterwegs war, bei der aktuellen Wahl am 8. März gab es aber die Watschn. Die Kommunalwahl-Front gipfelt nun in einer dramatischen Stichwahl am 22.März, bei der der rechtschaffene Otto Normalverbraucher genötigt wird, nur rot oder grün wählen zu dürfen. Fröhliche Aussichten für das Ansehen Münchens. Das Leben ist wie eine Brille. Man macht viel durch.
PS: Ganz untergegangen in der Münchner Kommunalwahl 2026: Die CSU hat erstmals zugelegt und OB-Kandidat Clemens Baumgärtner darf sich die Siegerlorbeeren aufsetzen. Die roten und grünen Konkurrenten verloren erstmals tüchtig an Prozenten. Bei der FDP, der Partei mit Edelduft, wurde Polit-Liebling Wolfgang Heubisch unverständlicherweise abgestraft, wogegen der politische Neuling Aljoscha Lubos, der München mit einem gelb-schwarzen Plakat-Tsunami überzogen hatte, rutschte von seiner Ausgangsplatzierung Platz 62 auf bewundernswerte 35. Partei-Kollegin Patrizia Riekel wurde Stadträtin. Damen lässt man halt galant den Vortritt.