HELMUT DIETLS UNVOLLENDETES KIR ROYAL

MÜNCHEN - Das Cover ist cool, aber jetzt schon umstritten, ehe das Buch auf den Markt kommt. Das Bild zeigt Helmut Dietl wie die Zornigen im französischen Chabrol-Film, wo das Rauchen zum Spannungsfaktor gehört. Lässig a la Alain Delon eine Zigarette im rechten Mundwinkel, schenkt der „Kir Royal“-Kreateur einen strengen Blick nach hinten ins Unwirkliche, zum Unvollendeten.Wie die
wohl die unvollendeten Texte des Meisterregisseurs, der vor einem Jahr in München das Zeitliche segnete, im posthumen Buch unter dem Titel „A bisserl was geht immer“. Nichts wäre an der Glimmstängel-Aufmachung auszusetzen, wenn nicht der Künstler jammervoll an Lungenkrebs gestorben wäre. Er war bekannter Kettenraucher.

Die Zigarette auf dem Titel kann zynisch wirken. Das war aber nicht beabsichtigt, wie der Verlag Kiepenheuer & Witsch betont. Alles sei mit der Witwe Tamara Dietl abgesprochen. Eine große Gruppe der Dietl-Hinterbliebenen und der Freundeskreis sind allerdings über die Buchaufmachung etwas geschockt. Bestseller-Autorin Karin Dietl-Wichmann, die Helmut 45 Jahre kannte, mit dem sie sieben stürmische Ehejahre pflegte und die mit ihm Tochter Sharon hat, schüttelt den Kopf über so wenig Fingerspitzengefühl:“ Oh Gott, ausgerechnet mit Zigarette. Es gibt sehr viele Aufnahmen, die ihn besser treffen. Wie kann man so wenig Geschmack und Gefühl haben“.

Werbeleiterin Ulla Brümmer, zuständig und verantwortlich für Cover der Bücher beim „Kiwi“-Verlag erklärt auf Anfrage:“ Auf dem Bild, das wir für vorne genommen haben, das ist typisch er. So wie Dietl aufgetreten ist. Wir haben die Fotos mit Witwe Tamara Dietl rausgesucht und sorgfältig abgestimmt.“ Jürgen Dohme, der Produzent der Kult-Serie „Kir Royal“, findet die Zigarette im Blickpunkt nicht anstössig.: „Der Rauch gehörte doch zu seinem Leben“. Helmuts „Unvollendetes“ auf 356 Seiten, bei dem Tamara die Herausgeberin spielt, erscheint am 8. September, übrigens genau am Geburtstag von Helmuts Ex-Frau Karin Dietl-Wichmann, das sie als „nachträgliche Freundlichkeit“ ihres de Verstorbenen werten will.

Tamara, die nach langer Anlaufphase das Dietl-Grab auf dem Bogenhausener Friedhof, Münchens Prominenten-Gottesacker, nun mustergültig herrichten ließ, muss an einem eigenen Buch unter dem Titel „Die Kraft in mir“ Tag und Nacht bereits noch zu Lebenszeiten von Helmut in ihren Computer gehämmert haben , als sie den Schicksalslauf ihres Mann dramatisch vor Augen sah. Kurz nach dem Tod erschien dann das Werk. von dem sie wohl nicht leben werden kann. Tamara, die Platz braucht und Gewichtigkeit geniesst, lebt mit ihrer Tochter aus der Ehe mit Helmut in Dietls 350-Quadratmeter-Apartement mit zwei Terrassen in Schwabing. Vorher waren das zwei Eigentumswohnungen, von denen eine früher Edelfeder Patrick Süskind („Parfüm“) besaß. Der Co-Autor und Textverfeinerer bei „Kir Royal“ hat erstmals mal wieder was geschrieben und das Nachwort zu Dietls „Unvollendetem“ geliefert.

Am 13. Oktober will Witwe Dietl noch mit einem weiteren „Lebenszeichen“ des Verstorbenen die Nachwelt überraschen und im „Literaturhaus" in München eine Helmut Dietl-Ausstellung durchführen. Man wird gespannt sein, was es da sehen gibt. Helmut war kein großer Sammler, höchstens von Schmierzetteln, Zigarettenkippen oder Garderobe.

Noch ein Wort zum Finanziellen: Dietls Vermächtnis ist endgültig noch nicht entschieden. Man sagt, dass der Witwe die Hälfte des Erbes (darunter Bargeld in Höhe einer sechsstelligen Summe) und die andere zu drei Dritteln den Kindern zugesprochen wurde.
Bei "Kir Royal"-Dreharbeiten vor dem Münchner Hotel "Bayerischer Hof": Regisseur Helmut Dietl und Gesellschaftsreporter Michael Graeter (r.).
Bei "Kir Royal"-Dreharbeiten vor dem Münchner Hotel "Bayerischer Hof": Regisseur Helmut Dietl und Gesellschaftsreporter Michael Graeter (r.).