DIE DEUTSCHE NEBENGESELLSCHAFT

Prominenter Münchner: Star-Kicker Thomas Müller trifft Rennbahn-Generalsekretär Horst Gregor Lappe (r.)
Prominenter Münchner: Star-Kicker Thomas Müller trifft Rennbahn-Generalsekretär Horst Gregor Lappe (r.)
Münchner Prominente: Star-Anwalt und Politiker Peter Gauweiler mit Frau Eva und Großproduzent Carl Spiehs.
Münchner Prominente: Star-Anwalt und Politiker Peter Gauweiler mit Frau Eva und Großproduzent Carl Spiehs.
Prominentes Herrenessen auf der Wiesn im "Augustiner."
Prominentes Herrenessen auf der Wiesn im "Augustiner."
Prominente mit Weltruf: Show-Zwillinge  Alice  und Ellen Kessler mit  Bandscheiben-Rastelli Wolfgang Pförringer.
Prominente mit Weltruf: Show-Zwillinge Alice und Ellen Kessler mit Bandscheiben-Rastelli Wolfgang Pförringer.

München - Natürlich gibt es keinen Schah mehr oder eine Kaiserin Soraya, die mit ihrer unglaublichen Märchen-Ehe zu wesentlich ärmeren Medienzeiten der deutschen Verlagsszene Jahrzehnte lang über 500 Yellow-Zeitschriftentitel bis heute verschaffte, ohne übrigens was dafür zu kriegen. Auch auf die Windsor-Wilde Diana, die schon mehr in den Social-Media-Genuss geriet, kann man nur noch selten zurückgreifen. Aber keine Angst: Prominente Mitmenschen werden nicht aussterben. Es gibt ja noch fürs Glamouröse Schlagzeilen-Kandidaten wie Prinzessin Caroline von Monaco, Prinz Ernst August von Hannover, Kate und William sowie das spanische Königshaus. Für die Dollar-Idylle sorgt ein Bill Gates und für das liebe Hollywood Bel George Clooney Und jetzt ist ganz vorn Trump, der Vorsteher des amerikanischen Gesellschaftslebens, die Stütze der Schönen und Reichen. Donald dürfte im Moment der am meisten Genannte und Gezeigte aller Zeiten auf dieser Erde sein. Das hat selbst Putin nicht geschafft.

Im Rückblick wirken vergangene Geschichten über Personen und Persönchen gern schöner, lebhafter, imposanter. Das ist ein Trugschluss. Es hängt viel davon ab, wie das Spiel zwischen Medien, ein vorgehaltener Spiegel, und dem Objekt der Begierde, ob er will oder nicht, funktioniert. Es wirkte fast selbstverständlich, wie sich vor Jahren „Queen“-Frontman Freddie Mercury in München im Glockenbachviertel einklinkte und das bunter Leben rund um den Gärtnerplatz aufregender fand, als alle Londoner Nächte. Unvergesslich in den goldenen Münchner Zeiten sind das allabendliche Sich-Herzeigen der besseren Leute in Deutschlands legendärem Restaurant „Humplmayr“ am Maximiliansplatz, wo sich der vermögende „Fichtel&Sachs“-Erbe Gunter Sachs bekannt machte, als er mit seiner Schlagzeilen-Beute Soraya zum Diner erschien. Lange Zeit vor seiner Affäre mit Brigitte Bardot. Johannes von Thurn und Taxis, damals noch Prinz, lebte in dem feinen Etablissement seine verspäteten Jugendstreiche (ein Beispiel: Er steckte heimlich eigens angefertigte Schweinswürstel in Sorias Pucci-Täschchen.) Fürst Jocky von Fürstenberg, der fröhliche Herr aus Donaueschingen, jodelte zu vorgerückter Stunde vor allen Leuten und verschenkte „Baume und Mercier“-Armbanduhren, die damals flachste, an Freunde. In seiner Jackentasche waren immer drei vier dieser Zeitmesser. Italo-Filmstar Marcello Mastroianni, der schönste Mann dieser Erde, bummelte mit mir über den Münchner Viktualienmarkt und wunderte sich über das weltweite Angebot an Früchten und Gemüse:“ Bei uns in Rom gibt es nur, was aktuell auf dem Acker wächst. Also nur einheimische Produkte“. Gern erinnert man sich an solche Begebenheiten. Aber - da gibt es eben den Unterschied, wenn das Pingpong zwischen Medien und Alpha-Mensch nicht klappt: Von Florian Gallenberger, dem Münchner „Oscar“-Preisträger für seinen Film „Quiero Ser“, hört man so gut wie gar nichts und kaum im Google vermerkt, wo übrigens Volker Schlöndorff dick als „Oscar“-Preisträger vermerkt ist. Das ist falsch. Er wird die Trophäe nicht haben. Für den Film „Die Blechtrommel“ erhielt nur der Münchner Produzent Buba Seitz den begehrtesten Filmpreis.

Jede Generation glänzt mit besonderen Menschen. Sei es durch Kunst, Können oder Kapital-Geschick. Erworben haben sie ihren Ruf in der jeweils kritischen Szene, in der sie durch ihr Schaffen aufgefallen sind und auch Neid ausgelöst haben. Manche haben aber das Glück, dass der Name bereits ein Markenzeichen geworden ist. Eine g’mahte Wiesn für Wohlgeborene. Die Krönung für den Upperclassman, also Prominenten (kommt aus dem lateinischen: prominere heißt hervorragen) ist die schwer zu erreichende Selbstverständlichkeit, wenn zum Namen kein erklärendes Wort nötig wird. Bei Beckenbauer muss man kein weiteres Wort verlieren.

Nicht erst seit der gerade wieder aktuell angewendeten Medienvortäuschung - heißt jetzt „fake news“, ist der Status wahrer VIP’s verschoben oder wegen grober Unkenntnis in manchen Print-Fernseh- und Elektronik-Redaktionen schlicht unbekannt- bei einfach gestrickten Geistern, die das Glitzerfeld bestellen wollen und ganz stolz sind, den Boulevard zu beackern, aber ziemlich naiv und ahnungslos. Wegen der hausbackenen Fata Morgana, dass es keine Prominenz wie früher gibt, ist die deutsche Nebengesellschaft kreiert worden, mit der Spalten und Sendezeiten ausgefüllt werden. Dem germanischen zahlenden Zuschauer kann man es ja vormachen. Wenn das jeweilige Gesicht dann häufig erscheint, muss es ein bekannter Mensch sein. Die Kamera adelt eben. Aber durch Oft-Auftritte im TV ist man noch lange kein Prominenter oder ein „Promi“, wie Programmmacher es intern sagen, was aber fast wie Prolet klingt.

Man kann weit ausholen, mit welcher Chuzpe der Zuschauer oder Leser seit Jahrzehnten getäuscht wird. Ein direktes Beispiel ist Verona Feldbusch, Femme fatale des ultimativen Nichts. Durch Bekanntmacher und RTL-Inventar Dieter Bohlen ist sie durch eine kurzfristige Eheverbundenheit aufgefallen und wurde an RTL-II-Chef Markus Reischl weitergereicht, der ihr im angeblich Star-armen Deutschland die Moderation der Freikörperkultursendung „Peep“ übertrug. Das hat einen rasenden Karriere-Speed ausgelöst. Weniger bei den weiteren Fernseh-Versuchen, bei denen jeder Dackel wegen ihrer aufreizenden „Hallöchen“-in Eunuchen-Stimmlage aus dem Fernsehsessel sprang, mehr bei der Werbung für Spinat, Marmelade, Telekommunikationen oder Billig-Kleidung. Verona schaffte es mit ihrem einnehmenden Wesen im schmerzfreien Germany, bei bestimmten Gastgebern ein VIP zu sein.

Als eine Kollegin der heutigen Zeit der Luftpumpen und leicht einsehbaren Begleiter-Girls kann man die wasserstoffblonde Daniela Katzenberger erwähnen, die sich - das ist wohl ihr einziges Kapital - wegen großzügigen Alpenblicks schon erstaunlich lang im Billig-Fernsehen hält. Da geistert ebenso die Möchtegern-Millionärs-Familie G. über den Bildschirm, weil der Sender wohl keinen richtigen, namhaften Millionär fand. Das Bild auf der Mattscheibe trügt und veredelt das Dargebotene mit dem Fazit, dass das Publikum den ganzen Miami-Trash glaubt. Als bei ersten Drehs in Gstaad der Schein-Vermögende mit seinen wehenden blonden Haaren auftauchte und mit seiner angetrauten Frohnatur, der man blendend eine Schiffsschaukel-Kasse zutrauen könnte, des Weges kam, sprangen Millionäre wie Gunter Sachs und sein Clan, die gerade aus „ Palace“-Hotel kamen, wie von der Tarantel gestochen auf die andere Straßenseite. In früheren Zeiten wäre so eine kindliche Lifestyle-Sendung mit einem Millionär-Darsteller bei keinem Programmchef durchgegangen.

Der Promi-Verfall grassiert. Bei sogenannten Rate-Shows im deutschen Fernsehen scheint in diesem Zusammenhang eine immer größer werdende Prominenz-Armut zu herrschen. Es geht soweit, dass selbst konkurrierende Moderatoren sich gegenseitig in die Sendungen einladen. Der reinste Show-Inzest. Frank Plasberg, für den Talk „Hart, aber Fair“ im Einsatz, tritt mit seiner Ehefrau Anne Gesthuysen, früher Frühstücksmoderatorin und seither bildschirmsüchtig, seit Februar 2016 vom Montag bis Freitag ab 18 Uhr beim Kollegen Jörg Pilawa in seiner Quiz-Sendung „Paarduell“ auf. Frage: Was haben die, was Lieschen Müller nicht hat. Ein prominenter Gast aus dem wahren Leben wäre doch auf dem Bildschirm ein Zuckerl für die Show. Der Zuschauer könnte sich amüsieren, wie sich ein junger Oscar-Preisträger oder Olympiasieger, ein Nachfahre eines Adelshauses oder einer Konzernfamilie, ein Maler oder ein Musikus oder ein Star-Kicker vom „FC Bayern" bei kitzeligen Fragen abstrampeln müssen. Das Geheimnis, warum Kai Pflaumes oder Dr. Eckart von Hirschhausen („Hirschhausens Quiz des Menschen“) so easy zum Kollegen greifen, kann eigentlich nur Bequemlichkeit sein. Ohne mit der Wimper zu zucken wird auf Niveau und Farbe verzichtet.

Die Status-Schieflage im Klassement spiegelt sich bei Moderatorinnen wieder, die als neue Wichtigs dargestellt werden. Mareile Höppner, von deren Existenz geläufig ist, dass sie brav die „Brisant"-Beiträge im Ersten Programm mit Text verbindet, ist „promimässig“ aufgestiegen und anlässlich ihres 40. Geburtstags in „Bunte“ eine ausführliche Story wert. Von einer Moderatorin Charlotte Würdig, bei deren Namen ich verzweifelt googelte, ist das Lebensentscheidende berichtet worden, dass "sie nicht nur Mutter sein möchte". Kein Fernseh-Abend vergeht, bei dem nicht einmal omnipräsent Barbara Schöneberger herausschaut. Bei Programmchefs muss Barbara eine gute Hand haben. Haben wir nur die eine. Wo sind die ganzen schönen und zum Teil namhaften Frauen, die einem tagtäglich in Deutschland begegnen. Mit der Sendung „Superstar“, bei der man einer von vornherein ist, kann man die Bekanntheitsleiter flugs erreichen wie man bei Teilnehmerin Sarah Lombardi (geborene Engels) aus Hürth bei Köln sieht. Die Voraussetzungen: Dabei sein und einen Sänger namens Pietro Lombardi heiraten, mit dem sie einen Sohn hat.

Zur "Z-Plus 1"-Prominenz, das wollen wir nicht vergessen, zählte zur Steinzeit der deutschen Society der bei Herrenschneider Max Dietl ausgebildete Laufbursche Rudolph Moshammer, der über Nacht zum Designer mutierte. Er hat in Fernseh-Shop-Händler Harald Glööckler einen würdigen Nachfolger gefunden - neuerdings mit blonden Haaren, um vom weiten seine Universitätsausbildung zu signalisieren.

Eine Reihe von Möchtegerns, in der Mehrzahl männlich, helfen mit Geld nach. Im geringsten Fall überschüttet er das Gastro-Personal mit übertriebenen Trinkgeld und erkauft sich die Traumminuten als angesehenes Society-Mitglied behandelt zu werden.

Scheinprominente, in der Mehrzahl weiblich, bedienen sich als Trittbrettfahrer - sie angelt sich einen FC-Bayern-Fussballstar, Prinzen oder Plattenproduzenten. Die Marke Ochsenknecht hat sich Uwe, der Film- und Fernsehschauspieler, allein mit Können erarbeitet. Seine ehemalige Frau Natascha brilliert für nichts und haut mit dem Namen aufs wehrlose Blech.So geht es weiter. Bei Rampenlicht-Profi Bernd Herzsprung mutierte einst Ehefrau Barbara über Nacht wohl im Crash-Verfahren zur Schauspielerin und sorgte bei ihrem neuen Bekanntheitswert dafür, dass ihre Leikleider in den Klatschspalten erwähnt werden. Die Liste der deutschen Nebengesellschaft ist bedrückend lang und endet bei Tennis-Crack Boris Becker, dessen Damenwelt um ihn herum nur durch seinen Namen profitierten und seine aktuelle Ehefrau Lilly darf in einem nicht öffentlich-rechtlichen Sender in einer Show mit großspurigem Titel "Global Gladiators" mit Kollegen aus dem gleichen Wahrnehmungsniveau als "Promi" auftreten.

















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