DES KAISERS TRAURIGSTER TAG

MÜNCHEN - Im Privatbereich bewegt sich der Kaiser schon immer scheu wie ein Reh. Franz Beckenbauer kennt die geheimen Hintereingänge zu den von ihm bevorzugten Plätzen und Lokalen und beherrscht bei offiziellen Anlässen selbst im größten Blitzlichtgewitter das französische Wegtauchen wie kein anderer. Diesmal an seinem schwärzesten Tag in seinem Glücksritterleben läßt Beckenbauer, der am 11. September 70 Jahre alt wird, einen intimen Blick zu auf seinen Clan.

Die schrecklich nette Patchwork-Familie versammelt sich gefühlt erstmals komplett, vom deren einzelnen Mitgliedern man sonst nichts hört. Die Trauer um Sohn Stephan Beckenbauer ließ alles vergessen. Alle wichtigen Frauen des Ausnahme-Kickers sind mit Kind und Kindeskindern erschienen. Brigitte, seine erste Frau, die - lang ist's her - mit Super-Manager Robert Schwan Franz charmant den Feinschliff gab, die Dauerfreundin Diane Sandmann und Sybille, die zweite Ehefrau (1990-2004), und natürlich die aktuelle Beckenbauer-First-Lady Heidi. Der furchtbare Schicksalsschlag schwor sie zusammen. Selten so viele Exe auf einem Platz. Allen voran Brigitte, die sich vor Jahren nach einem schweren Sturz in ihrem Haus in Grünwald zurück gezogen lebt und am Stock geht. Auch das ein Wunder, ihr drohte Querschnittslähmung. Franz sucht bei der Trauerfeier bewegt ihre Nähe.

Des Kaisers Familien-Regie sieht vor, dass die Beerdigung seines jüngsten Sohnes Stephan aus erster Ehe mit Brigitte nur ganz privat am Vormittag auf dem Friedhof am Perlacher Forst stattfindet und sich ein paar Stunden später am Nachmittag dann offiziell rund 450 Trauergäste in der Kirche „Heilige Familie“ zu einer Gedenkstunde einfinden. Stephan Beckenbauer, der als Jugendtrainer spätere Stars wie Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm formte, starb nach an einer fast einjährigen Leidenszeit an einem Hirntumor. Mit 46 Jahren zu jung zum Sterben. Selbst für enge Freunde war es ein Schlag, als die überraschende Nachricht wie ein Donner wirkte.

Die Kirche für die Trauerfeier ist einen Ballwurf vom Trainingsgelände des „FC Bayern“ entfernt, Stephans „Büro“ für viele Jahre. Das Wetter an dem traurigen Tag ist viel zu schön, ein blauer Himmel über München mit eine paar weißen Wolken. Pater Philipp Görtz steht vor der Elite des Superclubs „FC Bayern und VIP’s der Fußballwelt. Ganz vorn Bayern-Präsident Karl Hopfner, VorstandschefRummenigge Karl-Heinz Rummenigge große Überraschung - der Bayern-Übervater Uli Hoenß, der seine staatliche Fürsorge in Landsberg inzwischen als Freigänger nur nachts nachkommen muss. Aus Zürich ist Fußball-Feingeist Günter Netzer nach München gedüst. Aber auch der vom FCBayern wenig sportlich verabschiedete Wunder-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt sagt Servus zu Stephan, wie auch Herd-Hero Alfons Schuhbeck, der dem Kaiser-Spross schon mal hie und da eine Extrawurst gebraten hat.

Der Name Beckenbauer magnetitisiert, polarisiert, fasziniert. Deshalb spricht sogar DFB-Boss Wolfgang Niersbach, mit Freundin Marion Popp gekommen, die Trauerrede. Bei der Ave Maria greift so manche Dame in der Kirche zum Taschentuch und am Schluß singt Daniel Eichin das rustikale beziehungsreiche Lied :“Amoi seng ma uns wieda“ - auf Hochdeutsch: "Einmal werden wir uns wieder sehen“.
Sonst sieht man den Kaiser  (dahinter VW-Big-Boss Martin Winterkorn) immer gut gelaunt, aber seit einem Jahr musste er das härteste Jahr in seinem Leben ertragen, als es Wahrheit wurde, dass sein Sohn Stephan mit 46 Jahren sterben muss.